Innovative Behandlungsoption bei KeratokonusMärz / 2017

Progredienz stoppen und Visus steigern

Die Hornhaut hat drei Haupteigenschaften, die für gutes Sehen essentiell sind. Sie ist durchsichtig und gewährleistet den Lichtstrahlen ungehinderten Eintritt in das Auge und zur Netzhaut. Durch ihre Wölbung erhält sie die notwendige Brechkraft, um (zusammen mit der Augenlinse) das Bild der Außenwelt scharf auf der Netzhaut abzubilden. Und schließlich ist sie ein durchgehender Bestandteil der äußeren schützenden und formgebenden Hülle des Augapfels. Erkrankungen der Hornhaut, die in Trübungen, Stabilitäts- oder Formveränderungen resultieren, haben demzufolge oft weitreichende Folgen. 

Ein Keratokonus ist eine angeborene, meist beidseitig auftretende Hornhauterkrankung, bei der es durch eine veränderte Struktur des Hornhautgewebes zu einer Verdünnung und kegelförmigen Vorwölbung der Hornhaut kommt. Patienten bemerken eine zunehmende Sehverschlechterung bzw. fortschreitende Kurzsichtigkeit mit deutlicher Zunahme der Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). 

UV-Kollagenvernetzung stabilisiert die Hornhaut

Als Ursache des Keratokonus wird eine Störung zwischen den Kollagenmolekülen vermutet, die in einer verringerten Vernetzung resultiert. An dieser Stelle setzt das Crosslinking als Behandlungsoption an: Hierbei handelt es sich um eine photo-chemische Vernetzungsmethode, die auf der Gabe von Riboflavin (Vitamin B2)-Augentropfen und einer anschließender UVA-Bestrahlung basiert und in einer künstlichen Erhöhung des Vernetzungsgrades resultiert. Durch das Crosslinking kann meist eine Stabilisierung der Hornhaut erreicht und das Fortschreiten der Erkankung verhindert werden. Die Behandlung allein trägt jedoch nicht zur Verbesserung des Sehvermögens bei, welches durch die Deformierung der Hornhautoberfläche eingeschränkt ist und durch eine Brille oder Kontaktlinsen oftmals nur unbefriedigend verbessert werden kann.

Topographiegeführte Laserbehandlung kann Sehvermögen verbessern

Das Team um Dr. Georg Gerten, Medizinischer Leiter der Augenklinik am Neumarkt Köln und derzeitiger Präsident des VSDAR e.V., nutzt aus der refraktiven Chirurgie bekannte Messverfahren wie Hornhaut-Topographie, Scheimpflug-Analyse  und Aberrometrie, um die komplexen optischen Sehfehler bei Keratokonus exakt zu evaluieren. Sofern es die Hornhautstabilität zuläßt, setzen die Hornhaut-Spezialisten eine topographiegesteuerte Laserbehandlung mit geringem Gewebeabtrag ein, um Asymmetrien und Irregularitäten der Hornhautoberfläche zu reduzieren. Dr. Gerten erläutert: "Wenn der Abtrag von Hornhautgewebe auf max. 50 ?m limitiert wird, kann mit einer topographiegeführten Laserbehandlung die optische Qualität der Hornhaut verbessert werden, ohne dass der Stabilisierungseffekt einer UV-Kollagenvernetzung konterkariert wird." Er führt fort: "Die Laserbehandlung erlaubt eine Verringerung der durch den Keratokonus bedingten Sehfehler höherer Ordnung und kann dadurch bei geeigneten Patienten die korrigierte Sehleistung steigern.

Ein wichtiger Hinweis: Ob ein Keratokonus-Patient von einer UV-Vernetzung mit topographiegesteuerte Laserbehandlung profitieren kann, kann nur durch eine ausführliche Untersuchung festgestellt werden. Ebenso wichtig ist die Aufklärung des Patienten, da es sich derzeit bei dem Verfahren noch um einen "Off-label" Heilversuch handelt. 

Wenden Sie sich bei Interesse an eine VSDAR-Klinik – wir beraten Sie gern.

 

Quelle:

Keratokonus: Progredienz stoppen und Virus Steigern: UV-Kollagenvernetzung in Kombination mit Topographiegeführter PRK als einzeitiger Eingriff. Ophthalmologische Nachrichten, Special Refraktive Chirurgie, 06.2014

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