Sehbehindertentag am 6. Juni 2015Juni / 2015

Altersabhängige Makula-Degeneration - die „unbekannte“ Volkskrankheit

Die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) ist eine der am weitesten verbreiteten Augenerkrankungen in Deutschland und eine der häufigsten Ursachen für schwere Sehbeeinträchtigungen bis hin zur Erblindung. Dennoch ist die Krankheit nicht einmal jedem zehnten Deutschen bekannt, wie eine Umfrage von TNS Emnid gezeigt hat und aktuelle Studien bestätigen. Darauf machen das AMD-Netz, der Berufsverband der Augenärzte (BVA), der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und PRO RETINA Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung zum Sehbehindertentag am 6. Juni aufmerksam. Gemeinsam sprechen sich die Organisationen dafür aus, dass dem Krankheitsbild mehr Aufmerksamkeit in Prävention, Versorgung und Forschung zuteilwerden muss.

Trotz ihrer weiten Verbreitung ist die AMD als Augenkrankheit in der Bevölkerung weitestgehend unbekannt. Laut einer repräsentativen Umfrage in der deutschen Bevölkerung von TNS Emnid verbinden nur etwa zehn Prozent der Bundesbürger mit dem Namen dieser Augenkrankheit etwas Konkretes. Nur die Hälfte dieser Gruppe wusste überhaupt, dass es sich um eine Augenkrankheit handelt. Die übrigen fünf Prozent nannten entweder andere Krankheiten oder hatten gänzlich andere Assoziationen. 90 Prozent der Befragten konnten mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen. Dabei zeigt fast jeder fünfte Bundesbürger über 65 Jahren Frühformen einer altersabhängigen Makula-Degeneration. Und die Zahl der AMD-Erkrankungen wird aufgrund der demographischen Entwicklung weiter steigen. Experten rechnen mit einer Steigerung von derzeit etwa 4,5 Millionen Betroffenen auf über 6 Millionen im Jahr 20130.

Mediziner betrachten dieses Ergebnis mit Sorge. „Früherkennung und Vorsorge sind bei AMD von entscheidender Bedeutung, um schwere irreversible Schäden zu vermeiden“, so  VSDAR-Präsidentin Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum Nordwest in Ahaus. Hier spielen regelmäßige augenärztliche Untersuchungen sowie ab einem Alter von 60 Jahren zusätzlich regelmäßige Selbstkontrollen eine große Rolle. Bei veränderter Sehfähigkeit – insbesondere bei verzerrtem Sehen – sollte schnellst möglich ein Arzte aufgesucht werden.

Die altersabhängige Makula-Degeneration hat zwei mögliche Verlaufsformen und verursacht etwa die Hälfte der Erblindungen in Deutschland. Bei der häufigeren trockenen Form sterben Sehzellen ab, was zu einer allmählichen, derzeit nicht therapierbaren Verschlechterung des Sehvermögens führt. Bei der feuchten AMD wachsen Blutgefäße unkontrolliert in den Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut des Auges ein und zerstören unbehandelt diesen „Fleck" – lateinisch „Makula“. Diese Form schreitet schnell voran und hat – ohne frühzeitige Behandlung – einen unumkehrbaren Sehverlust zur Folge. Sie ist als eine aggressive, chronische Erkrankung einzustufen. Die für diese Form seit einigen Jahren zugelassene Therapie mit Anti-VEGF-Präparaten, die unter sterilen Bedingungen direkt ins Augeninnere gegeben werden, ermöglicht aber eine Stabilisierung oder sogar Verbesserung des Sehvermögens. Patienten mit bestimmten Frühformen der AMD können außerdem von der Einnahme spezieller Nahrungsergänzungsmittel profitieren.

Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Ein Mensch gilt als sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinse nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) im Jahr 1998 einen eigenen Gedenktag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich am 6. Juni zu einem bestimmten Thema statt.
Infos zum Sehbehindertentag finden Sie unter www.sehbehindertentag.de. 

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